Kommentar von Albert Franz
Jetzt verspielen auch die Geldgeber ihre Glaubwürdigkeit

Poltergeist auf Schloss Elmau. Karikatur: Tomicek
Man weiß nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll. Griechenland bekommt also Zahlungsaufschub. Die 300 Millionen Euro, die Athen heute an den Internationalen Währungsfonds hätte überweisen müssen, können auch erst Ende des Monats gezahlt werden - zusammen mit den übrigen 1,3 Milliarden Euro an Raten, die noch im Juni fällig sind.

Das bestätigt zum einen, dass Griechenland nun wirklich pleite ist. Bisher ist es der Regierung noch immer gelungen, die nötigen Euros zusammenzukratzen. Zum anderen ist es der Offenbarungseid für die Verhandlungsstrategie der Euro-Länder und des IWF. Die Kreditlinien gelten nicht mehr. Griechenland spielt mit seinen Rettern. "Machen Sie sich keine Sorgen", hatte Regierungschef Alexis Tsipras noch am Donnerstagmorgen verkündet. Die neue griechische Regierung habe bisher jede Rate pünktlich bezahlt. Stunden später ist auch diese Aussage, wie so viele vorher, obsolet. Die griechische Regierung hat jeden Kredit längst verspielt. Jetzt verlieren auch die Geldgeber ihre Glaubwürdigkeit.

albert.franz@derneuetag.de
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