Kommentar von Albert Franz
Merkels Ausflug nach Amberg: Mal nicht die Welt retten müssen

Rückzug. Karikatur: Tomicek
Nun, aus dem Pizza-Essen auf der Piazza wurde nichts. Das steife Protokoll des Vatikan lässt solche Finessen nicht zu. Irgendwie ist es auch schwer vorstellbar, dass Papst Franziskus und Angela Merkel bei einem Gläschen Rotwein und einer "Quattro Stagioni" über die Probleme dieser Welt plauschen.

Washington, Ottawa, Moskau, Kiew, Minsk, Brüssel, Rom: Das waren nur einige der Stationen Merkels der vergangenen Tage. Der britische "Independet" lobt die Kanzlerin als tragende politische Kraft in Europa, als mächtigste Führungspersönlichkeit in der neueren europäischen Geschichte und zentrale Führungsfigur der freien Welt. Ein Großteil der Bundesbürger sieht die Kanzlerin bereits auf Augenhöhe mit Konrad Adenauer und Willy Brandt. Man kann es nicht anders sagen: Merkel steht im Zenit ihrer Macht. Auch weil Partner wie Barack Obama, François Hollande oder David Cameron schwächeln.

Im Minenfeld der internationalen Krisen kommt natürlich die Innenpolitik derzeit zu kurz. Umso bemerkenswerter ist der Besuch der Kanzlerin heute in Amberg. Merkel trifft hier nicht nur Siemens-Chef Joe Kaeser, sondern macht auch einem Oberpfälzer Werk die Aufwartung, die als Paradebeispiel für eine "digitale Fabrik" gilt. Die rund 1200 Beschäftigten werden es ihr danken. Und die Kanzlerin dürfte es genießen, mal nicht die Welt retten zu müssen.

albert.franz@derneuetag.de
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