Kommentar von Albert Franz
"Pegida" steht auch für die totale Entfremdung

Der Ölpreis sinkt weiter. Karikatur: Tomicek
Es ist gerade vier Jahre her, dass der damalige Bundespräsident Christian Wulff mit seiner These für Aufsehen sorgte, auch der Islam gehöre zu Deutschland. Schon damals gab es nicht nur viel Beifall, es ging auch ein Grummeln durchs Land. Aus diesem Grummeln ist jetzt "Pegida" geworden, die anti-islamische Protestbewegung.

Doch bei den "Pegida"-Protesten geht es nicht nur um die Angst vor Überfremdung. Sie sind ein Sammelbecken für viele Unzufriedene. Für jene, die meinen, sie kämen zu kurz. Für eine Mittelschicht, die zerrieben wird. Und viele, die sich nicht mehr verstanden fühlen von der großen Politik, die sich überfordert fühlen von der Moderne. Die inzwischen auf Kriegsfuß stehen mit dem Politik-Sprech, den angeblich ferngesteuerten, gleichgeschalteten Medien. Und nicht zuletzt nutzen auch rechtsextreme Trittbrettfahrer das Forum.

Genau diese Melange macht es so schwierig, Rezepte zu verkünden. "Umarmung" oder "Ausgrenzung"? Zu unterschiedlich sind die Demonstranten und ihre Motive. Auch die Polit-Floskel, man müsse die Ängste und Sorgen der Bürger ernst nehmen, hilft nicht weiter. Denn ein Großteil der Menschen, die in Dresden und anderswo auf die Straßen gehen, ist mit Argumenten gar nicht mehr zu erreichen. Diese totale Entfremdung macht die Proteste so gefährlich.

albert.franz@derneuetag.de
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