Kommentar von Albert Franz
Putin hat mehr zu fürchten als nur den Gesichtsverlust

Zar und Zimmermann. Karikatur: Tomicek
Minsk II hin oder her: Es wird weiter kräftig gezündelt im Ukraine-Konflikt. Das russische Militär begann wieder einmal ein groß angelegtes Manöver mit 2000 Soldaten im südlichen Wehrbezirk. Nato-Schiffe kreuzen im Schwarzen Meer. Und die Meldungen widersprechen sich, ob schon die ersten der 300 US-Militärausbilder in der Ukraine angekommen sind oder nicht. Kiew beschließt, seine Armee um mehr als ein Drittel auf 250 000 Soldaten aufzustocken. Und dann sind da noch die Waffenlieferungen aus den USA an die Ukraine - für die es nur noch das Ja-Wort von Barack Obama braucht.

Nein, so wird das nichts mit dem Friedensplan für die Ukraine. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus. Entspannungspolitik auch. Allen diplomatischen Bemühungen zum Trotz stehen die Zeichen auf Konfrontation, weil keine der beteiligten Parteien mehr eine Chance sieht, ohne Gesichtsverlust aus der Krise herauszukommen. Der Westen unterschätzt aber, dass für Wladimir Putin mehr auf dem Spiel steht als eine Niederlage im Kampf um Einflusssphären. Der russische Politologe Boris Kagarlitzki rechnet bereits mit dem Sturz des Kremlchefs, weil die russische Elite nicht mehr hinter ihm steht. Das Schlimme daran: Man weiß nicht, ob man sich das wünschen soll.

albert.franz@derneuetag.de
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