Kommentar von Albert Franz
Sexy Berlin: Etwas weniger Glamour schadet nicht

Opfer-Rolle. Karikatur: Tomicek
Michael Müller tritt in große Fußstapfen. Klaus Wowereit, der Partylöwe, hat Berlin mehr als zehn Jahre lang seinen Stempel aufgedrückt. Im Kampf der drei Musketiere hat Müller überraschend schon im ersten Wahlgang das Rennen um die Nachfolge als Regierender Bürgermeister der Bundeshauptstadt gemacht. Es ist ein Sieg der Vernunft. Was Olaf Scholz für Hamburg geworden ist, soll Michael Müller in Berlin leisten: Ein leiser Pragmatiker ersetzt den Polit-Star mit Glamour-Faktor.

Einen Pragmatiker hat Berlin auch bitter nötig. Denn die Probleme der Stadt bleiben. Müller erbt nicht nur die Dauerbaustelle Flughafen. Er übernimmt auch die Strukturprobleme, die Wowereit gerne mit dem Werbeslogan "Berlin - arm, aber sexy" übertünchte. Stichwort Länderfinanzausgleich: Die Geberländer werden nicht eher ruhen, bis Berlin mit weniger Stütze auskommt. Und dann wäre da noch ein Imageproblem: Während die Jugend und das Kreativpotential die Anziehungskraft der Metropole schätzen, hat die bürgerliche Mitte längst das Weite gesucht und sich in Potsdam oder dem weiteren Umland niedergelassen. Auch da muss Müller ran, ohne Berlin gediegen-spießig wie München werden zu lassen.

albert.franz@derneuetag.de
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