Kommentar von Albert Franz
Solidarität ist wichtig, aber bitte nicht wieder ohne Plan

Solidarität ist wichtig. Und sie war den Franzosen auch nicht zu verweigern. Trotzdem ist es mehr als ein Schönheitsfehler, dass Berlin meint - wie seinerzeit im Kosovo - auch ohne UN-Mandat in die militärische Offensive gehen zu müssen.

Der größte Fehler allerdings ist, dass auch die nächste Eskalationsstufe im Kampf gegen die Terroristen des selbsternannten Islamischen Staates offenbar ohne durchdachtes Konzept angegangen wird. Mehr als 300 Angriffe hat allein die französische Luftwaffe bisher geflogen. Aber mit welchem Erfolg? Der Nachschub und die Einnahmequellen der Verbrecherbande scheinen damit nicht sonderlich getroffen worden zu sein. Ganz zu schweigen, dass es einen Plan gäbe, wie es im Irak oder in Syrien weitergehen könnte ohne die verblendeten Gotteskrieger. Jeder noch so massive Feldzug wird zum Scheitern verurteilt bleiben, wenn es keine Perspektive für die Bevölkerung gibt. Nicht zuletzt dank der Assad-Treue Wladimir Putins ist diese Perspektive in Syrien noch mehr eine Fata Morgana als im Irak.

Deutschland kann sich nicht mehr wegducken und mit symbolhafter "Auch-dabei"-Politik aus der Affäre ziehen. Aber es stünde der Republik gut zu Gesicht, im Kampf gegen den Terror über den Tag hinaus zu denken.

albert.franz@derneuetag.de
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