Kommentar von Albert Franz
Sterbehilfe: Erlösung ist kein Geschäftsmodell

Ein Blick in die Todesanzeigen genügt. "Als die Kraft zu Ende ging, war es nicht Tod, sondern Erlösung", ist da oft zu lesen. Oder: "Zuschauen und nicht helfen können, war unser größter Schmerz." Hinter Sätzen wie diesen verbirgt sich das ganze Drama eines qualvollen Todes, das Siechtum, das keiner einem anderen, geschweige denn sich selbst wünscht. Und aus diesen Sätzen spricht die ganze Hilflosigkeit, mit der viele die letzten Wochen, Tage oder Stunden ihrer Angehörigen erleben.

Vielleicht auch mit diesen Erfahrungen im Hinterkopf wurde der Ruf nach der Sterbehilfe in den vergangenen Jahren immer lauter. Die Sehnsucht nach dem sanften Tod ist verlockend, und sie wird immer öfter garniert mit dem Hinweis auf das Selbstbestimmungsrecht, das nicht nur für das Leben, sondern auch für den letzten Weg gelten müsse. Und wo eine Nachfrage vorhanden ist, finden sich selbstredend auch jene, die sich als Erlöser anbieten - und sei es gegen Bares.

In einer solchen Gemengelage ist es gut, wenn sich eine Gesellschaft zwischendurch ihrer Werte versichert. Der Bundestag hat das getan und nach einem einjährigen Diskussionsprozess einen Pflock eingeschlagen: Geschäftsmäßige Sterbehilfe darf es nicht geben. Ein weiser Beschluss, weil jede andere Entscheidung missverstanden hätte werden können als Lizenz zum Töten auf Verlangen.

Mehr wollte, mehr konnte der Bundestag nicht regeln. Die Fluchtmöglichkeiten in die Niederlande oder die Schweiz bleiben. Ansonsten ist die Frage über Leben und Tod im Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten, Angehörigen und Patienten in der Regel gut aufgehoben. Und eine gewissenhafte Patientenverfügung kann einen Hauch von Selbstbestimmung sogar bis in die Sterbestunde retten.

albert.franz@derneuetag.de
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