Kommentar von Alexander Pausch
Angela Merkel ist in der Hand von Schäuble und Tsipras

Verschnupft. Karikatur: Tomicek
Die Zeiten, als Angela Merkel unangefochten an der Spitze stand, sind vorbei. Und derjenige, der die neue Zeit eingeläutet hat, ist Wolfgang Schäuble. Denn trotz seines Widerspruchs in Sachen Griechenland-Rettung ist der Bundesfinanzminister noch im Amt. Andere Minister hätte die Bundeskanzlerin längst in die Wüste geschickt. Schäuble nicht. Merkel fehlen die Mittel, ihn zu disziplinieren. Er ist ein zu bedeutender christdemokratischer Politiker.

Schäubles Beharren auf einem "Grexit" auf Zeit als die bessere Lösung ist kein taktisches Spiel. Der 72-Jährige mimt nicht den Harten, um Griechenland zu disziplinieren. Er ist offensichtlich von der Richtigkeit dieses Weges überzeugt. Und: Mancher in der Union vermutet, dass Schäuble schon vor Monaten zu dieser Erkenntnis gekommen ist.

Der Autoritätverlust wird der Kanzlerin zu schaffen machen. Teile der SPD nutzen dies bereits für verbale Stiche gegen sie, um von ihrem in der "Grexit"-Frage mäandernden Vorsitzenden Sigmar Gabriel abzulenken. Andere Minister werden ebenfalls Freiräume einfordern. Schäubles Haltung ist eine permanente Drohung für Merkel. Sollte das dritte Rettungspaket scheitern, wäre sie bloßgestellt. Merkel ist in der Hand von Schäuble und des griechischen Premiers Alexis Tsipras.

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