Kommentar von Alexander Pausch
Auch die Supermacht USA richtet sich nach dem Steuerzahler

"Das ist dann wohl die Büchse der Pandora ...!" Karikatur: Tomicek
Bei seinem Besuch vor knapp 14 Tagen in Grafenwöhr war der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter in einem Punkt ganz klar. Zusätzliche Truppen werden die USA weder in Grafenwöhr noch im übrigen Europa stationieren. Neben strategischen Erwägungen führte er zur Begründung vor allem die Wünsche des amerikanischen Steuerzahlers an. Denn dieser wolle, dass sein Geld zu Hause und nicht in Übersee ausgegeben wird.

Die erhöhte Zahl der Übungen auf den US-Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels sind vor allem den aus den USA zeitweise nach Europa verlegten Truppen geschuldet. Die Amerikaner verstehen dies als Antwort auf die russische Politik. Diese Aktivitäten sollen nochmals erhöht werden, kündigte Carter an. Die Ankündigung fällt ihm leicht, denn diese Übungen werden aus einem eigenen Programm gezahlt und belasten nicht den Verteidigungsetat.

Dieser schrumpft seit Jahren und wird es auch künftig, weil sich Republikaner und Demokraten im Kongress bislang nicht einigen können. Die Reduzierung um 40 000 Heeres-Soldaten ist nur eine Folge. Und sie hinterlässt auch in Europa Spuren, wie der Abzug von Teilen der US-Heeresfliegerbrigade vor einigen Wochen zeigt.

Sollte das US-Heer weiterhin schrumpfen, sind weitere Schritte nicht ausgeschlossen. Denn im Kongress ist eine neue Generation von Abgeordneten eingezogen. Diese fragt, warum Europa immer über den Atlantik schielt und sich nicht selbst verteidigt. Denn auch diese Abgeordneten blicken auf den Steuerzahler: ihre Wähler.

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