Kommentar von Alexander Pausch
Auch für Deutschland gilt: Genug geredet, sendet Schiffe!

Staffellauf eines Seenotrettungskreuzers. Karikatur: Tomicek
Die Italiener haben es vorgemacht. Als sich in Sichtweite ihrer Küste die Flüchtlingstragödien häuften, riefen sie die Such- und Rettungsoperation "Mare Nostrum" ins Leben, um die Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Mit Erfolg. Wer also etwas tun will, braucht nur Schiffe zu senden. Es bleibt das Geheimnis der Bundesregierung, weshalb die Bundesmarine bislang nicht hilft.

Zumal jede europäische Regierung, auch die deutsche, weiß, worauf die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hinweist: Die Frontex-Mission "Triton", mit der die Europäische Union "Mare Nostrum" abgelöst hat, hat "viel weniger Schiffe, nur ein Drittel des Budgets und ein kleineres geografisches Ausmaß". Es war also zu befürchten, ja es war zu erwarten, dass die Zahl der Todesopfer wieder dramatisch ansteigt, so wie in jenen Zeiten, bevor die Italiener "Mare Nostrum" starteten.

Wer angesichts der jüngsten Katastrophe nun nach der Europäischen Union ruft, agiert zynisch. Es war eben jene Europäische Union, die sich weigerte, "Mare Nostrum" zu übernehmen. Offenbar zu teuer. Deshalb gilt nun für alle Europäer, auch für Deutschland: Genug geredet, sendet Schiffe!

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