Kommentar von Alexander Pausch
Der Fall Edathy ist beendet, doch es bleiben moralische Fragen

Noch eine sanierungsbedürftige Brücke. Karikatur: Tomicek
Die juristische Bewertung des Falles Sebastian Edathy ist die eine Seite des Skandals. Und: Die rechtliche Aufarbeitung ist mit dem Schuldeingeständnis des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten, Kinderpornografie besessen zu haben, abgeschlossen. Daran ändert auch nichts, dass viele Bürger, "für das Urteil wenig Verständnis haben", wie CDU-Generalsekretär Peter Tauber meint.

Es bleiben moralische Fragen. Fragen, die nicht mit dem Strafrecht beantwortet werden können. Eine moralische Frage richtet sich an Menschen, die wie Edathy meinen, Bilder und Videos von nackten Kindern zum eigenen Vergnügen herunterzuladen, sei legal. Es ist eben kein "Fehler", wie Edathy beschönigend im Gerichtssaal seinen Anwalt sagen lässt. Denn mit diesem Konsumverhalten wird ein System gestützt, das gnadenlos Kinder ausbeutet.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Das weiß auch Edathy. Als Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag attackierte er bei den Befragungen die Beamten scharf, bisweilen unerbittlich, wegen ihres tatsächlichen oder vermeintlichen Versagens.

Genauso unerbittlich hat der 45-jährige SPD-Politiker nun sein Ziel verfolgt, ein öffentliches Verfahren zu verhindern. Mit Zahlung der Buße von 5000 Euro ist der Fall für Edathy juristisch ausgestanden. Seinen Ruf kann er aber nicht retten, zumal er kurz nach dem Urteil auf Facebook postet: "Ich weise darauf hin, dass ein ,Geständnis' ausweislich meiner heutigen Erklärung nicht vorliegt."

Die moralische Frage richtet sich aber auch unerbittlich an unsere Gesellschaft und die Politik. Wird genügend getan, um Kinder zu schützen? Es bestehen berechtigte Zweifel.

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