Kommentar von Alexander Pausch
Deutschland und Israel: Ein schwieriges Verhältnis

Bremer Stadtmusikanten. Karikatur: Tomicek
In den Beziehungen zwischen Deutschland und Israel ist Staatsräson ein zentraler Begriff. Damit begründete der erste israelische Präsident Ben Gurion das Wiedergutmachungsabkommen von 1952 mit Deutschland. Der junge jüdische Staat brauchte Devisen und Industriegüter, die 1949 gegründete Bundesrepublik sehnte sich nach Anerkennung. Ohne diesen "moralischen Gründungsakt", wie der Historiker Dan Diner das Abkommen nennt, wäre es am 12. Mai 1965 nicht zur Aufnahme diplomatische Beziehungen gekommen.

Heute, 70 Jahre nach Kriegsende, preist der ehemalige israelische Botschafter in Bonn, Avi Primor, Deutschland als den wichtigsten Partner Israels nach den USA. Nicht nur in der Politik, zwischen dem Militär und in der Wirtschaft gibt es einen breiten Austausch, sondern auch zwischen Schulen und Universitäten sowie Städten und Gemeinden.

Doch wie schnell es zu Verwerfungen kommt und sich der Antisemitismus Bahn bricht, zeigt unter anderem das politische Gedicht des vor vier Wochen verstorbenen Schriftstellers Günter Grass von 2012. Damals wurde von ihm der jüdische Staat zur Gefahr für den Weltfrieden stilisiert. Ähnlich war es während des Gaza-Kriegs im vergangenen Jahr. 41 Prozent der Deutschen setzten Israelis und Nationalsozialisten gleich.

Nicht nur, weil immer wieder Deutsche mit antisemitischen Stereotypen israelische Politik kritisieren, wird das Verhältnis nicht normal sein können. Der Holocaust lastet auf beiden. Auch deshalb erklärt Kanzlerin Angela Merkel das Existenzrecht und die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson. Ein Satz, den sie von Rudolf Dreßler, von 2000 bis 2005 deutscher Botschafter in Tel Aviv, übernommen hat. Doch Israelis weisen zu Recht darauf hin, dass es die Betonung des Existenzrechtes Israels nicht brauche. Schließlich mache dies Deutschland bei keinem anderen der mehr als 190 UN-Mitglieder.

___

E-Mail an den Autor:

alexander.pausch@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5731)Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.