Kommentar von Alexander Pausch
Die Faszination der Botschaft des Neugeborenen in der Krippe

Weihnachts-Schnäppchen. Karikatur: Tomicek
Alle Jahre wieder blitzt zu Weihnachten noch einmal jene Kraft der Volkskirche auf, auf die die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland so lange bauen konnten. Es scheint wie vor hundert und mehr Jahren, als die Pfarrer nur die Kirchentüren zu öffnen brauchten, und die Gläubigen kamen - unabhängig vom persönlichen Glauben -, weil es sich eben so gehörte.

Zumindest am Heiligen Abend sind auch heutzutage nicht nur die Christmetten, sondern auch die Familiengottesdienste am Nachmittag bestens besucht. Selbst Kirchenferne zieht es an diesem Tag in die Gemeinschaft der Christen. Noch immer übt die Botschaft des Neugeborenen in der Krippe eine Faszination aus - und sei es, weil sich Erwachsene für wenige Stunden einer Kindheitserinnerung hingeben. Dabei ist die Botschaft von Hingabe und Nächstenliebe auch in der säkularen und pluralen Gesellschaft aktuell.

Nichts macht dies deutlicher als ein Beitrag des Linken-Fraktionschef in Dresden, Rico Gebhardt, in der Flüchtlingsdebatte: "Für uns Atheisten von der sächsischen Linksfraktion gilt in der Asylpolitik: Wir hören auf den Papst und nicht Pegida."

Landauf, landab führen am Heiligen Abend Kinder und Jugendliche in den Gottesdiensten die Herbergssuche auf - ein Motiv, das in der globalisierten Welt mit ihrer wachsenden Ungleichheit, den Konflikten und Kriegen moderner denn je ist. Das Kind in der Krippe wird am Rande der Gesellschaft geboren, weil das Establishment in Bethlehem seinen Eltern, den Fremden, die Tür weist. Und die Ersten, die ihm ihre Aufwartung machten, waren die Hirten, ebenfalls Außenseiter.

Diejenigen, die sich heutzutage - unabhängig davon, ob sie christliche, muslimische oder humanitäre Motive haben - der Menschen am Rande, etwa den Flüchtlingen, annehmen, sind auf der Höhe der Zeit. Sie stehen in der europäischen Tradition von Aufklärung und Menschenrechten. Dagegen sind diejenigen, die die Aufnahme von Fremden in Not verweigern aus der Zeit gefallen - das galt bereits vor mehr als 2000 Jahren in Bethlehem, und es gilt heute noch immer.

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