Kommentar von Alexander Pausch
Die neue Weltordnung ist in Europa eine Altbekannte

Eindämmung, Abschreckung oder Zurückdrängen (Roll Back) sind westliche Strategien aus der Zeit des Kalten Krieges. Zwar wurden diese Kategorien des damaligen Ost-West-Konfliktes nicht in den Debatten bei der Münchener Sicherheitskonferenz erwähnt, aber sie waren unausgesprochen präsent.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel strategische Geduld fordert und auf die langfristige Wirkung der Sanktionen gegen Russland setzt, ist dies nichts anderes als Eindämmung. Damit aber wird auch die sich abzeichnende erneute Teilung Europas zementiert. Die deutsche Regierungschefin ist sich dessen bewusst, wie ihr Hinweis auf den Bau der Mauer in Jahr 1961 zeigt - ein Völkerrechtsverstoß und Vertragsbruch, wegen dem im damaligen Westen auch niemand bereit war, einen Krieg zu führen. Heute ist dies im Fall der Ukraine nicht anders. Das gilt auch für die Falken im US-Kongress wie den Haudrauf John McCain.

Im Konferenzsaal in München war ein Dialog der Gehörlosen zu beobachten, der nichts Gutes für die Gespräche hinter verschlossener Tür verheißt. Bezeichnend waren die Lacher, die der russische Außenminister Sergej Lawrow für seine erkennbar ans heimische Publikum gerichtet Rede erntete. Derartige Reden sind im Medienzeitalter eine Notwendigkeit. Dass die Profis im Saal dies nicht erkennen, zeigt wie tief der Riss zwischen Ost und West inzwischen geht. Und er zeigt ihre Ratlosigkeit angesichts der Ansage von Lawrow, alles in den vergangenen 25 Jahren Erreichte in Frage zu stellen.

Die Grenze zwischen Ost und West verläuft diesmal deutlich weiter östlich, vom Baltikum über Polen bis zum Schwarzen Meer. Den Preis für die Spaltung zahlen die Menschen in der Ukraine. Auf ihrem Rücken wird der Konflikt ausgetragen. Die Ukrainer werden auf absehbare Zeit weder in Frieden, noch ohne russische Einflussnahme leben, geschweige denn ihren Traum vom Beitritt zur Europäischen Union und von Wohlstand erfüllen können. Die neue Weltordnung ist in Europa erkennbar eine Altbekannte.

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