Kommentar von Alexander Pausch
Die Union lernt nun die gleiche Lektion wie Alexis Tsipras

Griechenland bekommt nun doch einen weiteren Schuldenschnitt - auch wenn dies nicht sofort der Fall ist. Vor allem aber darf dieser nicht so genannt werden. Dabei wissen alle, Gegner und Befürworter der Hilfen, dass es Erleichterungen geben muss. Auch der von Deutschland ins Boot der Griechenland-Retter geholte Internationale Währungsfonds (IWF) zweifelt an der "Schuldentragfähigkeit", wie das Zauberwort lautet. Dessen Einbindung war vor Jahren schon peinlich - und ist es noch heute. Europa wäre ohne weiteres in der Lage, den Griechen allein zu helfen. Doch in der Union gilt der IWF bis heute als Garant dafür, dass die Griechen das Sparen lernen.

Dumm nur, dass der IWF inzwischen einen Schuldenschnitt fordert, um im Boot zu bleiben. Also kündigen Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) an, im Herbst seien Erleichterungen möglich. Das bedeutet, dass der Schuldner weniger zahlt. Damit setzt Berlin die Politik des Durchwurstelns fort. Eine Politik, die seit Beginn der internationalen Finanzkrise im Jahr 2008 verfolgt wird. Teile der Union dringen nun auf eine Lösung. Sie sind damit, trotz aller ideologischer Gegensätze, an der Seite des griechischen Ex-Finanzministers Gianis Varoufakis. Auch er forderte eine Lösung.

Zu spät. Diese wird es nicht geben. Das musste der griechische Premier Alexis Tsipras lernen, das muss auch die Union. Jeder will das Gesicht wahren, keiner einen Schritt ins Unbekannte machen. Genau das wäre aber ein "Grexit auf Zeit". Weder wäre damit die griechische Schuldenlast verschwunden, noch die Wirtschaft über Nacht gesundet, und das Flüchtlingsproblem wäre schon gar nicht gelöst - ein Problem, das selbst die deutsche Bürokratie ins Schwitzen bringt. Also wird weiter durchgewurstelt.

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