Kommentar von Alexander Pausch
Diplomatischer Glanz für einen besorgten Diktator

Frauenpower. Karikatur: Tomicek
Der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko gilt als letzter Diktator in Europa - und als solcher ist er seit langer Zeit nicht mehr in westeuropäischen Hauptstädten empfangen worden. Um so mehr gefällt es dem 60-jährigen Alleinherrscher nun, sich mit großem Pomp als Gastgeber des Ukraine-Treffens zu präsentieren.

Lukaschenko verbindet damit die Hoffnung, den Westen wieder etwas für sich einzunehmen. Die weißrussische Wirtschaft leidet, weil sie eng mit der russischen verflochten ist. Ende 2014 hatte er sich zudem den Ärger des Kreml zugezogen, da Weißrussland Lebensmittel aus der Europäischen Union bezog, diese umetikettierte und nach Russland weiter lieferte.

Vor allem aber muss Lukaschenko fürchten, das Beispiel Ukraine könnte in Weißrussland Schule machen. Im Herbst sind Wahlen und die Opposition könnte sich durch den Umsturz in Kiew ermutigt fühlen. Andererseits muss auch er den Appetit Russlands fürchten, wenn er sich zu weit nach Westen neigt. Lukaschenko ist gezwungen, zwischen "Onkel Sam" und "Onkel Wladimir" zu lavieren.

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