Kommentar von Alexander Pausch
Eine Festung Europa wird nichts besser machen

"Jetzt tanzt er auch noch Sirtaki ...!" Karikatur: Tomicek
Seit Jahren gehen Berichte über Flüchtlinge mit Superlativen einher - nicht hier in Europa, sondern in der unmittelbaren Nachbarschaft, im Nahen Osten oder in Afrika. Immer wieder schlagen die Vereinten Nationen Alarm. In Syrien ist die Hälfte der Bevölkerung auf der Flucht. Beim kleinen Nachbarn Libanon ist inzwischen jeder Dritte ein Flüchtling aus Syrien. Und in Jordanien beträgt der Anteil der Flüchtlinge zehn Prozent. Ähnlich erschreckende Zahlen gibt es in Afrika.

Elend und Leid treibt diese Menschen aus der Heimat in die Nachbarländer, aber auch nach Europa. Es gilt, angelehnt an die britisch-somalische Dichterin Warsan Shire: Niemand verfrachtet seine Kinder auf ein Boot, wenn es an Land sicherer ist. Deshalb macht eine Festung Europa nichts besser, außer um den Preis Tausender toter Flüchtlinge im Mittelmeer. Da die Kriege in der europäischen Nachbarschaft noch Jahre lodern dürften, wird es in den nächsten Jahren nicht gelingen, die Flüchtlingszahlen wesentlich zu senken. Aber die Aufnahme der Flüchtlinge kann besser geregelt und die Last gerechter verteilt werden: Dazu gehört europäische Solidarität, aber auch Solidarität innerhalb Deutschlands, etwa bei unbegleiteten Flüchtlingen.

Dazu gehört am Ende auch, Menschen aus Serbien, dem Kosovo oder Albanien zügig zurückzuschicken. Gleichwohl sollte Europa darüber nachdenken, warum diese Menschen - 15 Jahre nach dem Nato-Einsatz im Kosovo - nicht mehr länger warten wollen, bis auch in ihrer Heimat endlich der Wohlstand zunimmt.

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