Kommentar von Alexander Pausch
Es fehlt am politischen Willen, aus der Geschichte zu lernen

Die Türkei reagiert auf die Völkermord-Debatte. Karikatur: Tomicek
Der Versuch, ganze Völker oder Volksgruppen zu vernichten, ist in der Menschheitsgeschichte schon öfter unternommen worden. Doch erst im 20. Jahrhundert wurde Genozid ein Begriff des Völkerrechts. Geprägt hat diesen der polnische Jurist Raphael Lemkin (1900-1959).

Lemkin hatte schon im Jahr 1933, mit Blick auf die türkischen Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg, einen entsprechenden Straftatbestand gefordert. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg, am 9. Dezember 1948, beschloss die UN-Vollversammlung die Konvention zur Verhütung und Bestrafung von Völkermord - einen Tag vor der Verabschiedung der Allgemeinen Menschenrechte.

Zwar wurden wegen des Völkermords in Ruanda oder der ethnischen Säuberungen auf dem Balkan entsprechende Tribunale eingerichtet und Täter verurteilt. Ihrer Schutzverantwortung, die die Vereinten Nationen inzwischen ebenfalls definierten, kam die internationale Gemeinschaft aber nie nach.

In diesen Tagen reiht sich Gedenkakt an Gedenkakt - für die Opfer des Massakers an den Armeniern vor 100 Jahren, aber auch für die Opfer des Holocausts. Doch tragischerweise gilt noch immer das, was die Sprecher der Überlebenden von zehn Konzentrationslagern in ihrem Vermächtnis vom 25. Januar 2009 schreiben: "Die Welt hat zu wenig aus unserer Geschichte gelernt." Bislang fehlt es offensichtlich am politischen Willen, der Verantwortung gerecht zu werden.

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