Kommentar von Alexander Pausch
Für syrische Flüchtlinge gilt: Alles ist besser als die Heimat

Es wäre eine Illusion zu glauben, dass keine Flüchtlinge mehr nach Europa kommen würden, falls die Terrormiliz IS besiegt ist, oder es zum Waffenstillstand oder sogar zum Friedensschluss in Syrien kommt. Weite Teile der Städte und Dörfer liegen in Schutt und Asche - und es herrscht abgrundtiefes Misstrauen gegenüber allen Kriegsparteien.

Die russischen Luftangriffe seit Anfang des Monats lassen dieses nur wachsen. "Ärzte für Menschenrechte" hat seither sieben Bombenangriffe durch Russland auf Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen dokumentiert. Von 2011, als der Aufstand begann, bis zum Frühjahr gab es 233 Angriffe auf 183 medizinische Einrichtungen, berichtete die Gruppe im März und macht dafür Rebellen und Regierung verantwortlich.

Die Syrer fliehen vor Hoffnungslosigkeit, vor Tod und Verzweiflung. Für sie gilt: Alles ist besser als die Heimat. Diese Menschen lassen sich nicht von stürmischer See oder Zäunen aufhalten - die dramatischen Bilder aus Griechenland und vom Balkan belegen dies. Zugleich lassen diese Bilder die Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Politik in Deutschland und im übrigen Europa wachsen. Dabei wäre es für die 500 Millionen Europäer ein Leichtes, die Flüchtlinge aufzunehmen, wenn sie sich einig wären.

Politiker müssen sich hüten, Illusionen zu schüren. Es gibt keine einfachen Lösungen. Das gilt für ungarische Zäune und für deutsche Transitzonen. Entscheidend ist es, die Kommunen und die vielen ehrenamtlichen Helfer zu unterstützen. Sie tragen die Last der Aufnahme - ihr Einsatz entscheidet, ob die Integration gelingt.

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