Kommentar von Alexander Pausch
Griechenland ist ein Teil Europas - mit oder ohne Euro

Und täglich grüßt das Murmeltier. Karikatur: Tomicek
Das "Schleichts euch", das von einigen in Berlin und in München seit Tagen in Richtung Griechen zu hören ist, ist weder eine Antwort auf die seit Jahren schwelende Krise, noch auf den Ausgang des griechischen Referendums. Es ist auch falsch, die Entscheidung der knapp elf Millionen Griechen als Versuch zu diffamieren, den 500 Millionen Europäern zu sagen, wo es lang gehen soll. Das Votum ist zu akzeptieren. Das erfordern die demokratischen Spielregeln, auf denen Europa fußt.

Die Staats- und Regierungschefs müssen mit dem Nein der Griechen vom Sonntag umgehen, so schwer es angesichts der persönlichen Verletzung zwischen den Politikern aus den zurückliegenden Wochen fällt. Ihnen könnte aber helfen, sich vor Augen zu halten, dass die Hilfsgelder bislang nur dazu dienten, das europäische Finanzsystem zu stabilisieren. Die griechischen Schulden sind aus den privaten Händen in die öffentlichen gewandert, ohne dass bei den griechischen Bürgern etwas angekommen ist.

In Europa entscheidet kein Staat nur mehr für sich allein. Die anderen regieren via Brüssel mit. Das zu akzeptieren, fällt bisweilen selbst Politikern in großen Staaten wie Frankreich oder Deutschland schwer. Am Ende aber gilt auch für sie: Griechenland ist ein Teil Europas - mit oder ohne Euro. Vor dem Elend im Land darf niemand die Augen verschließen.

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