Kommentar von Alexander Pausch
Hass und Gewalt kommen aus Deutschland, nicht von außen

Immer wieder gibt es schrille Warnungen, dass mit den Flüchtlingen nicht nur Hass und Gewalt, sondern auch die Konflikte aus aller Welt nach Deutschland kommen würden. Falsch: Hass und Gewalt sind schon immer da. Sie sind nicht von außen mitgebracht worden, sondern Teil der deutschen Gesellschaft. Und: Sie nehmen zu.

Die Zahl fremdenfeindlicher Übergriffe steigt seit Monaten dramatisch. Allein in diesem Jahr gab es 490 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte - fremdenfeindlicher Terrorismus. Und: Die Täter sind nicht nur polizeibekannte, gewaltbereite Rechtsextremisten. Zwei Drittel der Tatverdächtigen seien "Bürger aus der Region, die sich bisher nichts zuschulden kommen ließen", sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Er zeigt sich erschrocken über den "Zuwachs an Menschen, die Gewalt anwenden". Es ist offensichtlich: Diejenigen, die bisher als latent rechtsextrem galten, schreiten nun zur Tat.

Die Galgen für Politiker bei der Pegida-Demonstration am Montagabend in Dresden sind Ausdruck dafür, dass die Zivilisationsschranken, von denen de Maizière spricht, schon lange durchbrochen worden sind.

Seit Monaten werden nicht nur Politiker und Prominente, also jene, die in der Öffentlichkeit stehen, diffamiert und mit Hass überzogen. Es trifft längst auch viele Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren - und damit jene Bürger die für eine offene, freiheitliche Gesellschaft und Demokratie stehen.

Diejenigen, die diese Taten gutheißen - insgeheim im Gespräch mit Freunden oder offen im Internet - sind ebenso Gegner der freiheitlichen Gesellschaft und Demokratie wie jene, die bei Pegida mitmarschieren. Sie bieten keine Argumente für die Debatte über die Gestaltung der Flüchtlingspolitik, sondern Rückendeckung und Rechtfertigung für die Gewalttäter. Sie tragen dazu bei, dass Hass, Gewalt und fremdenfeindlicher Terrorismus erneut Meister aus Deutschland sind.

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