Kommentar von Alexander Pausch
Mit Alexis Tsipras können die Griechen keinen Staat machen

Der Druck wächst ... Karikatur: Tomicek
Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras gibt der aus der Antike überlieferten Form der Tragödie eine neue Wendung. In der im Altertum entwickelten Form der Erzählung fordert ein Held aus Überheblichkeit sein Schicksal heraus und steuert in die Katastrophe.

Nun ist den Griechen seit der Antike ein Schicksal im Kreis der Europäer bestimmt. Diese haben Hilfspaket um Hilfspaket geschnürt, um dem angeschlagenen Partner zu helfen. Dafür mussten die Griechen einiges schultern, so wie Spanier, Portugiesen und Iren auch. Bis zum Amtsantritt der Regierung Tsipras sprach auch alles dafür, dass Griechenland auf einem guten Weg ist. Seither spricht nichts mehr dafür.

Die Mehrheit der Griechen hat dies begriffen, Tsipras bisher nicht. 69,7 Prozent der Griechen sind für den Verbleib im Euro und würden dafür auch harte Sparmaßnahmen in Kauf nehmen. Und: Der Sozialist und sein Finanzminister Gianis Varoufakis wollen es offensichtlich auch nicht begreifen.

Ihr Taktieren, das Versprechen geben und gleich wieder brechen, die Versuche, Europa gegen Russland auszuspielen, die wiederholten Erpressungsversuche müssen anderen Europäern wie Schläge ins Gesicht vorkommen. Tsipras hat offensichtlich vergessen, dass sich auch die Partner in Paris, Berlin oder Madrid vor ihren Wählern rechtfertigen müssen. Sein Kurs hat dafür gesorgt, dass die Griechenland-Krise Europa schadet.

Anders als Helden in der antiken Tragödie wird Tsipras, wie alle Politiker, weich fallen. Es ist Griechenland, das er in die Katastrophe steuert.

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