Kommentar von Alexander Pausch
Sankt Florian und die bayerische Atompolitik

Böses Erwachen. Karikatur: Tomicek
Es ist klar, ewig kann die Ohne-uns-Haltung von Horst Seehofer in der Energiepolitik nicht gutgehen. Bereits die Sonderwünsche des bayerischen Ministerpräsidenten im vergangenen Wahlkampf nach größeren Abständen von Windrädern zu Wohnhäusern stieß in Berlin auf Unverständnis. Noch gequälter wirken die Koalitionspartner von CDU und SPD, seit der CSU-Parteivorsitzende mit seinem Nein zu Stromtrassen durch Bayern ein Kernelement der von ihm mitbeschlossenen Energiewende blockiert.

Doch Seehofer meint offensichtlich, er könne immer noch eins draufsetzen. Mit seiner Drohung, die Energiewende scheitern zu lassen, sollte Atommüll auch in Bayern gelagert werden, manövriert er sich endgültig in die Ecke. Die Zwischentöne der Erklärung aus der Staatskanzlei in München hören sich wie das Pfeifen im Walde an. Auch Seehofer dürfte inzwischen begreifen, dass ihn weder die CDU noch die SPD mit seiner Energiepolitik à la Sankt Florian davonkommen lassen werden.

Dass Deutschland den Atommüll nach der Wiederaufarbeitung deutscher Brennstäbe aus Frankreich und Großbritannien zurücknimmt, ist nur recht und billig. Das gleiche gilt für Bayern. Schließlich wurde im Freistaat über Jahrzehnte mit besonderem Nachdruck auf Atomkraft gesetzt. Und: Beim Kernkraftwerk Isar gibt es ein geeignetes Zwischenlager. Dort wurde die Einlagerung von bis zu 152 Castor-Brennelementbehältern genehmigt. Bislang sind erst 34 abgestellt.

Es ist sinnvoll, dieses Zwischenlager in Niederbayern zu nutzen, bis ein geeignetes Endlager gefunden worden ist. Denn der Atommeiler Isar I hat eine Genehmigung bis zum Jahr 2021, der Schwesterreaktor Isar II sogar ein Jahr länger.

___

E-Mail an den Autor:

alexander.pausch@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Koalition (5296)Kommentare (5731)Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.