Kommentar von Alexander Pausch
Schon der Besuch von Papst Franziskus stellt Erdogan bloß

Heilige Väter. Karikatur: Tomicek
Auch als Staatspräsident ist Recep Tayyip Erdogan nicht milder geworden. Im Gegenteil. Er kehrt noch heftiger als in seiner Zeit als türkischer Ministerpräsident den radikalen, bisweilen extremistischen Demagogen heraus. Dieser politische Stil hat es vielen hier in Deutschland, aber auch in ganz Europa, schwer gemacht, einen EU-Beitritt der Türkei zu unterstützen.

Zuletzt hielt der ehemalige AKP-Chef allerdings Reden, bei denen sich der Zuhörer passagenweise fragen musste, ob hier tatsächlich noch ein türkischer Präsident spricht oder ein Hassprediger wie Abu Bakr al-Bagdadi, der selbst ernannte Kalif des Islamischen Staates, dem auch viel Türken huldigen.

Auch wenige Stunden vor der Ankunft des Papstes lieferte Erdogan wieder ein Beispiel dafür, dass er schon lange kein Interesse an Völkerverständigung mehr hat, sondern lieber Fremdenhass schürt.

Erdogans Außenpolitik liegt in Trümmern. Die "Null-Probleme-Politik" ist gescheitert. Das Land ist von Krisenherden umgeben. Der Versuch, die Türkei als Modell für den arabischen Frühling zu positionieren, misslang. Erdogan unterstützte islamistische Kräfte, zum Teil sogar dschihadistische Kräfte. Nun ist seine Regierung isoliert.

Um so mehr muss Erdogan der Besuch eines Mannes schmerzen, der mit höchster persönlicher Glaubwürdigkeit den Finger in die Wunden seiner Politik legt. Erdogan weiß, dass ihn Papst Franziskus zwar bei seinen eigenen Anhängern nicht ausstechen kann. Aber allen anderen zeigt allein die Anwesenheit des bescheidenen Mannes in Weiß, wie großmannssüchtig Erdogan mit seinem 1000-Zimmer-Palast ist.
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