Kommentar von Alexander Pausch
Steinmeier umwirbt den großen Förderer des Salafismus

Gefährlicher Pillendreher. Karikatur: Tomicek
Die Saudis verstehen es seit Jahrzehnten, sich als vermeintlich verlässlicher Partner des Westens in Szene zu setzen. Auch in diesen Tagen, in denen eine internationale Koalition versucht, mit Luftangriffen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu stoppen, gibt sich Riad als Verbündeter. Medienwirksam fliegt sogar ein Sohn des Kronprinzen bei den Angriffen mit.

Doch es gibt ein anderes Saudi-Arabien. Denn ebenfalls seit Jahrzehnten unterstützt das Königreich mit seinem Geld die Ausbreitung des Salafismus - in Europa und auf dem Balkan, vor allem aber von Mauretanien, über den Senegal, Mali und Ägypten bis nach Syrien und in den Irak. Die blutigen Folgen sind für alle seit Jahren sichtbar.

Seine Macht verdankt das saudische Königshaus seiner Allianz mit den Wahabiten. Diese haben dieselben Wurzeln wie die IS-Ideologen. Entsprechend schwer fällt es saudischen Predigern, sich von diesen abzugrenzen. Dazu bedurfte es einigen Drucks aus dem Königshaus. Zwar sehen Wahabiten derzeit davon ab, einen Islamischen Staat mit Gewalt zu errichten, sie bedienen sich aber derselben blutrünstigen Strafen wie IS. Davon künden etwa die öffentlichen Hinrichtungen mit dem Schwert in Riad.

Tatsächlich führt an Saudi-Arabien kein Weg vorbei, "wenn wir mit den Konflikten im Mittleren Osten fertig werden wollen", wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Montag im saudischen Dschidda sagte. Es ehrt ihn auch, dass er die Menschenrechtsverletzungen im Land anspricht.

Doch solange niemand in Europa oder den USA Saudi-Arabien Grenzen aufzeigt, wird sich nichts ändern. Denn das Land ist mitnichten der Stabilitätsanker, als den es hierzulande manche gerne hinstellen.

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