Kommentar von Alexander Pausch
Trotz Sparkurses ist die Zukunft der Deutschen Bank nicht gesichert

Auf Sparkurs. Karikatur: Tomicek
Vorbei die Zeiten, in denen sich ein Deutsche-Bank-Chef wie Josef Ackermann auf dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise im Herbst 2008 selbstbewusst vor seine Mannschaft stellen und verkünden konnte, er würde sich schämen, Gelder vom Staat für sein Institut anzunehmen.

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Nun ist die Bank keineswegs gestürzt. Doch glänzend ist beim größten deutschen Finanzinstitut nichts mehr. Trotz milliardenschwerer Kapitalerhöhungen kommt die Bank nicht vom Fleck - sie hat noch immer zu wenig Kapital.

Zudem ist die Aufarbeitung einer langen Reihe von zum Teil kostspieligen Skandalen nicht abgeschlossen und belastet die Bilanz. Ab heute muss sich auch noch Co-Chef Jürgen Fitschen mit zwei früheren Chefs der Bank im Zusammenhang mit der Kirch-Pleite vor Gericht verantworten.

Nun wird das Rad zurückgedreht. Die neue Deutsche Bank soll wieder die alte sein - nur deutlich kleiner. Die Postbank wird verkauft, das Investmentgeschäft zurückgeschnitten. Das größte deutsche Geldinstitut schrumpft, in der Hoffnung dadurch eine Zukunft zu haben. Doch ob die Wette aufgeht, ist noch längst nicht ausgemacht.

Den Geldinstituten macht nicht nur die Null-Zins-Politik der Notenbanken zu schaffen, angesichts der digitalen Revolution könnte das Modell der Universalbank, an dem der deutsche Branchen-Primus festhalten will, ohnehin ausgedient haben. Im Zuge der digitalen Revolution entstehen neue Akteure, die weltweit den Banken das Wasser abgraben. Ob die Deutsche Bank auf dem Finanzmarkt 4.0 eine Rolle spielt, ist noch lange nicht sicher.

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