Kommentar von Alexander Pausch
Türken können auf Putin gelassen reagieren

Schon wenige Tage nach Beginn seiner Luftangriffe in Syrien hat Russland jene Kritiker bestätigt, die einen bewaffneten Zusammenstoß mit westlichen Flugzeugen befürchten. Zwar hat sich der Kreml für das Eindringen in den türkischen Luftraum am Montag sehr schnell entschuldigt. Doch das verringert nicht die Sorgen. Im Gegenteil.

Am Vortag richtete ein Jagdflugzeug vom Typ Mig-29 über die Grenze hinweg minutenlang sein Radar auf türkische Militärflugzeuge, wie die türkische Regierung berichtet. Solche militärischen Drohgebärden, die Teil des Katz-und-Maus-Spiels im Kalten Krieg waren, können im aufgeheizten Klima in Syrien schnell dazu führen, dass ein Pilot den Abzug drückt.

Der russische Präsident Wladimir Putin kam in Syrien nicht nur der US-geführten Anti-IS-Allianz in die Quere, sondern auch dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Zum einen wollte Erdogan schon vor Jahren im Norden des Nachbarlandes die syrischen Flüchtlinge unterbringen. Zum anderen sollte dieser Schritt eine autonome kurdische Region verhindern. Bislang fehlte aber die Unterstützung aus Washington für eine Puffer- oder Flugverbotszone. Seit die russischen Truppen in Syrien aufmarschiert sind, muss Erdogan seinen Plan begraben. Putin wird derartige Zonen nicht zulassen, denn sie schaden seinem Schützling, dem syrischen Herrscher Baschar al-Assad.

In Syrien geht es darum, wer den längeren Atem hat. Mit Rückendeckung der Nato sollte es Ankara gelingen, Gelassenheit zu beweisen. Zumal Erdogan und Putin den Kampf gegen IS als Vorwand nutzen. Ankara will die Kurden klein halten, Moskau Assad retten. Das muss sich nicht ausschließen.

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