Kommentar von Alexander Rädle
Christliche Tugenden: Anpacken und helfen

Die Politik streitet. Beschäftigte von Behörden und Freiwillige packen an. Sie helfen Zehntausenden Flüchtlingen, die in Deutschland angekommen sind und schnell verteilt werden müssen. Damit wieder Platz frei wird für die nächsten.

Natürlich muss über die Ursachen dieser Völkerwanderung gesprochen werden. Über Kriege und Armut in Syrien, im Irak, in Nordafrika. Doch politische Lösungen dauern - Monate, wenn nicht Jahre. Aber die Menschen, die keine Zukunft in ihrer Heimat mehr sehen, die dort um ihr Leben fürchten - sie stehen jetzt und heute hier.

Und sie flehen um Unterstützung. Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hat dafür treffende Worte gefunden. Deutschland gebe eine "gute Visitenkarte in der Welt" ab, sagte er. Und er nannte die Zuwendung zu Menschen in Not einen "zentralen christlichen Wert". Europa, das sich oft genug einer gemeinsamen Wertebasis rühmt, muss nun dringend auch in der Bewältigung des Flüchtlingsstrom zu einer Harmonisierung finden. Jedes Land hat entsprechend seinen Fähigkeiten seinen Beitrag zu leisten.

Tausende Helfer machen das schon jetzt. Sie versorgen die Flüchtlinge und gehen dabei bis an die Belastungsgrenze. Sie übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft, für ihre Mitmenschen. Sie tun freiwillig mehr. Etwas mehr tun, das könnte auch die Politik. Von ihr fordert Glück "Führung". Für Sofortmaßnahmen und längerfristiges Nachdenken. Nachdenken darüber, wie man Menschen in ihrer Heimat eine gute Zukunft geben kann.

alexander.raedle@derneuetag.de
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