Kommentar von Alexander Rädle
Einen noch größeren Krieg in Europa kann niemand wollen

Russisches Schach. Karikatur: Tomicek
Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit. Sie stirbt dieser Tage in der Ostukraine erneut einen ihrer inzwischen ungezählten Tode. Wer sich wann wie an welche Abmachung nicht gehalten, wer wann wie das Feuer eröffnet hat - solche Fragen sind für die Kriegsparteien mittlerweile nur noch von Bedeutung, wenn sie sich dazu nutzen lassen, dem anderen die Verantwortung zuzuschieben.

Das Friedensabkommen Minsk II ist nicht das Papier wert, auf das es am frühen Donnerstagmorgen geschrieben wurde. Warum sollten sich Separatistenführer und Staatschefs auch an Abmachungen halten, die sie offenbar nur unterzeichnet haben, weil man sie vor einer Unterschrift einfach nicht gehen ließ? Die neuerliche Schlacht von Debalzewo zeigt nur, dass keine der beiden Seiten ein richtiges Interesse an einem Frieden hat. Ein Grund dafür ist wohl auch, dass bei den Verhandlungen in Minsk keine verbindlichen Grenzverläufe festgelegt wurden.

Jetzt ist es an Putin, bei den Separatisten erneut vehement auf Frieden zu pochen. Gleiches gilt für Merkl und Hollande in Bezug auf die ukrainische Führung. Bei allem gilt: besonnen handeln. Neue Waffen, etwa aus den USA, für die Ukraine sind keine Lösung. Denn niemand kann einen noch größeren Krieg in Europa wollen.

alexander.raedle@derneuetag.de
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