Kommentar von Alexander Rädle
Freiheit braucht auch ein vernünftiges Auskommen

Monoputin. Karikatur: Tomicek
Es ist, als hätte es die vergangenen 25 Jahre nie gegeben. Der Ton zwischen dem Westen und dem Osten wird immer rauer. Ost und West - Begriffe, von denen man glaubte, dass sie ihre politische Bedeutung längst verloren haben. Ein Irrtum.

Tschechische Bürger gehen wieder auf die Straße und zeigen ihrem Präsidenten die Rote Karte. Milos Zeman heißt der Mann, der das Ziel der Proteste ist. Er wird sogar mit Eiern beworfen. Zeman ist ein linksgerichteter Politiker und hat sich prorussisch geäußert. Die Feiern zum 25. Jahrestag der Samtenen Revolution in Prag sind unterdessen eher schwach besucht. Das darf nicht verwundern: In einer Umfrage der Agentur Median sagten nur 27 Prozent der Befragten in Tschechien, dass ihre Erwartungen erfüllt worden seien. Am meisten bemängelt wurden Armut und Verlust sozialer Sicherheit.

Man kann diese Umfrage so verstehen: Wohlstand und soziale Absicherung sind manchen Bürgern ein kleines Stück wichtiger als Freiheit. Im Umkehrschluss heißt das: Die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährdet sich selbst, wenn sie es nicht schafft, dem Großteil der Bevölkerung ein einigermaßen vernünftiges Auskommen zu ermöglichen. Eine Erkenntnis, die nicht neu ist. Denn auch daran ist der Kommunismus gescheitert.

alexander.raedle@derneuetag.de
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