Kommentar von Alexander Rädle
Friedrichs Kritik mahnt zu mehr Politik-Profil

Griechische Niederschläge. Karikatur: Tomicek
Hans-Peter Friedrich hat der Union ein richtig faules Ei in die Krippe gelegt. Zugegeben: Ein schiefes Bild, denn ein Ei gehört nicht in die Krippe. Genau so wenig aber war die Kritik des Ex-Innenministers an Kanzlerin Angela Merkel treffgenau.

Freilich lässt sich im Kurs Merkels nicht immer eine klare Linie erkennen. Aber die Entstehung von AfD und der fremdenfeindlichen Gruppierung Pegida nun Merkel anzulasten, greift zu kurz. Unzweifelhaft ist vielen konservativen Wählern die Politik der Bundesregierung zu linksorientiert. Gleichzeitig aber vermissen viele SPD-Wähler in Entscheidungen gerade ihr links-sozialdemokratisches Profil. Das ist das Los einer Großen Koalition: Kompromisse, die nicht alle zufriedenstellen. Die Unzufriedenen sammeln sich in neuen Gruppierungen - oftmals ohne zu wissen, für welche Grundsätze diese stehen. Auch eine neue Art der Politik- und Parteienverdrossenheit.

Diese Entwicklung muss die Parteien alarmieren. Denn sie stehen - trotz Großer Koalition und Orientierung zur politischen Mitte - für vergleichsweise stabile Prinzipientreue und damit im Gegensatz zu so mancher Jung-Partei, die Themen nach Marktlage besetzt. Insofern könnte Hans-Peter Friedrichs Kritik zumindest als Warnruf interpretiert werden.

alexander.raedle@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Koalition (5296)Kommentare (5734)12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.