Kommentar von Alexander Rädle
"Habsucht und Gier" - zwei schlechte Arzt-Helfer

Er war der Arzt, dem die Frauen vertrauten. Sie vertrauten ihm, sie vertrauten sich ihm an. Sie hofften, dass er ihnen endlich bei der Erfüllung eines langgehegten Wunsches helfen könnte. Dem Wunsch nach einem eigenen Kind. Der Kinderwunsch, die biologischen Voraussetzungen, die Zeugung, die Schwangerschaft, die Geburt - all das sind höchst persönliche, höchst intime Dinge. Sie stehen deshalb auch unter besonderem Schutz - und erfordern besonders hohe moralische Integrität.

Diese hat der nun zu fünf Jahren Haft verurteilte Bayreuther Kinderwunsch-Arzt vermissen lassen. Er hat nicht nur Frauen, sondern auch den Stand der Ärzte verraten. In Deutschland ist es verboten, Frauen die Eizellen anderer Frauen einzusetzen. Andere Länder sind da nicht so streng. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung der Bundesärztekammer nach einer Lockerung des bisherigen Embryonenschutzgesetzes sicher nicht unberechtigt.

Aber selbst wenn Deutschland in naher oder ferner Zukunft diese Form der Fortpflanzungsmedizin zulassen sollte: Es darf nicht passieren, dass Frauen nicht wissen, was mit ihren Eizellen passiert, sobald sie diese ihrem Arzt überlassen haben. Jede Frau muss selbst und ausschließlich darüber entscheiden dürfen, was mit ihren Eizellen geschieht. Warum? Jede Eizelle steht für einen potenziellen Menschen. Und genauso, wie in der modernen Welt der Menschenhandel verboten ist, so darf es auch keinen Handel mit Eizellen geben.

Für den Bayreuther Arzt sind offenbar Eizellen und Menschen zu Dingen geworden. Gegenstände, mit denen er Geld verdienen konnte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm deshalb "Habsucht und Gier" vor. Habsucht und Gier - zwei ganz schlechte Arzt-Helfer für einen Menschen, der sein Berufsleben dem Wohl seiner Mitmenschen verschrieben hat.

alexander.raedle@derneuetag.de
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