Kommentar von Alexander Rädle
Siebter Himmel und die Hölle auf Erden

Leuchtendes Beispiel. Karikatur: Tomicek
Solange die Ehe besteht, ist alles gut. So könnte man die Unauflöslichkeit der Ehe, so wie die katholische Kirche sie sieht, mit einer Portion Sarkasmus verstehen. Im Gegensatz zu anderen Glaubensgemeinschaften - und vielen Teilen der Gesellschaft - legen Papst und Bischöfe das eheliche Bündnis sehr rigoros aus. Geschiedene fühlen sich deshalb in weiten Teilen ausgeschlossen.

Der von der Bischofskonferenz vorgeschlagene Weg von "differenzierten Lösungen" für den Einzelfall zeigt in die richtige Richtung. "Die Eucharistie ist nicht eine Belohnung für die Vollkommenen", heißt es in dem Papier. Scheidungen erfolgen in der Regel nicht aus Spaß und Freude, sondern nicht selten aus Schmerz, aus Unerträglichkeit des Zustandes, aus der anfangs nicht vermuteten Unvollkommenheit des geschlossenen Bündnisses zweier Menschen. Wird auf diese Weise aus dem siebten Himmel die Hölle auf Erden, dürfte das nicht im Interesse der Kirche sein.

Leid lindern und verhindern, Beistand leisten - ureigenste Stärken der Kirche - könnte sie auch bei Geschiedenen und Wiederverheirateten. Etwas mehr Barmherzigkeit zulassen, ohne dabei aber ein "Hire-and-fire" von Partnern gut zu heißen. Die deutschen Bischöfe haben einen Schritt in diese Richtung getan.

alexander.raedle@derneuetag.de
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