Kommentar von Alexander Rädle
Wer arbeitet, soll davon auch Leben können

Eine Arbeitslosenquote von 2,8 Prozent in Sulzbach-Rosenberg. Es gibt Bezirke der Arbeitsagentur, die ähnlich gute Werte haben. Aber wohl keine Region, die so für diesen Wert "rackern" musste wie Sulzbach-Rosenberg. Der Verlust von 6500 Arbeitsplätzen, wenn auch gestreckt auf viele Jahre, war eine gewaltige Zäsur für die Stadt und das Umland, die sich fast 150 Jahre mit der Maxhütte als größtem Betrieb identifizierten.

Sulzbach-Rosenberg war fleißig, hat viel Geld in Infrastruktur investiert, aber auch viel Unterstützung bekommen. Aber immer ohne zu wissen, ob sich die Bemühungen jemals auszahlen werden. Es hätte auch anders kommen können. Und es könnte anders sein. Wie in Oberfranken. Dort sind die Arbeitslosenzahlen zwar nicht exorbitant hoch. Allerdings haben viele Menschen die Region bereits verlassen, weil sie einfach keine Arbeit oder keine adäquaten Jobs finden. Und, nicht zu vergessen: der Arbeitsmarkt boomt in ganz Bayern, in ganz Deutschland.

Auch wenn die einstige Krisenstadt Sulzbach-Rosenberg eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in der Oberpfalz hat, auch wenn die Oberpfalz bayernweit führt, und auch wenn Bayern in Deutschland die Nase vorn hat - mit einer Quote von 6,0 Prozent in der Bundesrepublik kann niemanden zufrieden sein. Auch wenn es tatsächlich schon wesentlich schlechtere Werte gab.

Mehr als bisher muss es künftig auch um die Qualität der Beschäftigung gehen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, ergo den Lohn. Solche rein marktidealisierten Mechanismen sind nur bedingt geeignet, wenn es um Menschen geht. Wer einen Arbeitsplatz hat, soll davon auch leben können und für seine Tätigkeit angemessen entlohnt werden - auch wenn das Heer an Arbeitskräften künftig womöglich wieder größer werden wird.

alexander.raedle@derneuetag.de
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