Kommentar von Alfred Schwarzmeier
Toreschießen, nur das zählt

Nun also doch wieder Ronaldo! Völlig unberechtigt ist die erneute Wahl des Superstars zum Weltfußballer 2015 sicherlich nicht. Wer in der Primera Division 31 Saisontore erzielt, ist ein außergewöhnlicher Stürmer. Wer in der Champions-League Real Madrid mit 17 Treffern zum Titelgewinn ballert, trägt die Krone des weltbesten Fußballers nicht unverdient. Dem Portugiesen den Applaus zu verwehren, wäre nicht ganz fair.

Nur stellt sich eine Frage: Ist das Toreschießen mittlerweile das alleinige Maß aller Dinge bei dieser Wahl? Es hat den Anschein - besonders, wenn man die Fähigkeiten der beiden Champions der letzten sieben Jahre unter die Lupe nimmt. Egal, ob Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo - beide Ausnahmekönner leben fast ausschließlich von ihren verblüffenden Aktionen vor dem gegnerischen Tor. Strategische Defensivarbeit oder überragendes Abwehrverhalten zählen dagegen nicht, fallen regelmäßig bei dieser Abstimmung unter den Tisch.

Nur ein einziges Mal konnte ein Verteidiger die meisten Stimmen auf sich vereinen: Fabio Cannavaro von Juventus Turin wurde damals, im Jahr 2006, mit Italien Weltmeister. Dieses Kunststück schaffte auch Manuel Neuer acht Jahre später. Im deutschen Trikot, als Torwart. Treffer sensationell zu verhindern zählt allerdings deutlich weniger als selbige spektakulär zu erzielen. Das ist die Lehre aus dieser Wahl.

alfred.schwarzmeier@derneuetag.de
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