Kommentar von Anne Spitaler
Es muss immer erst etwas passieren, bis etwas passiert

Bildung tut not. Karikatur: Tomicek
Die Terroranschläge in Paris bewegen die Welt: Der Kurznachrichtendienst Twitter überschlägt sich durch den Hashtag #jesuicharlie regelrecht. Die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" ist innerhalb weniger Tage nach dem Anschlag in millionenfacher Auflage ausverkauft.

Menschen unterschiedlicher Religionen gehen mit Schildern und erhobenen Stiften auf die Straße - aus Solidarität mit den Ermordeten und Überlebenden sowie für die Meinungs- und Pressefreiheit. In Deutschland halten Muslime Mahnwachen vor Medienhäusern. In Belgien werden bei einem Anti-Terror-Einsatz im Dutzend Verdächtige festgenommen. Vermutlich würden sich die Attentäter im Grab umdrehen, könnten sie miterleben, was ihr Anschlag bewirkt hat: Statt weiter gegen das schon länger umstrittene Satiremagazin "Charlie Hebdo" zu wettern, fühlen sich Menschen der Zeitschrift stark verbunden.

Die Anschläge haben aufgerüttelt. Da möchte man den islamistischen Attentätern fast schon zurufen: "Jetzt erst recht!" Die Redaktionsmitglieder von "Charlie Hebdo" sind tot. Die Idee der französischen Zeitschrift lebt aber weiter und mit ihr die Freiheit, alles sagen zu dürfen.

anne.spitaler@derneuetag.de
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