Kommentar von Clemens Fütterer
Anbiederung an Moskau zerstört das letzte Vertrauen zu Athen

Auf Hellas und Pfennig. Karikatur: Tomicek
Vertrauen stellt einen der wichtigsten Werte im menschlichen Zusammenleben dar. Auf Vertrauen basieren Entscheidungsprozesse in der Politik und auf den Finanzmärkten. Es ist ein gewichtiges "Pfund" an jedem Verhandlungstisch. Dieses Grundvertrauen verspielt das griechische Regierungsbündnis aus extremen Linken und radikalen Nationalisten mit seiner Anbiederung an Moskau. Von der Europäischen Union bedingungslose Solidarität einzufordern und gleichzeitig den Gläubigern mit der russischen Karte zu drohen, ist dreist.

Der Begriff Kredit kommt vom lateinischen Wort credere: glauben, vertrauen. Premier Alexis Tsipras ist drauf und dran, nach dem finanziellen auch den politischen Kredit in der EU zu verspielen. Denn Moskau ist gleichsam der Gegenpol zur Vertragstreue und zur Verlässlichkeit von Griechenlands europäischen Partnerländern. Putin beweist fast täglich, wie wenig er sich um Gesetze, Verträge oder Grenzen schert. Auch wenn Russland selber in eine Wirtschaftskrise taumelt: Die Gelegenheit, die EU zumindest zu ärgern, dürfte sich Putin kaum entgehen lassen.

Nach den moralischen Erpressungsversuchen ist nun mit Griechenlands Unterfangen, auf Kosten der EU neue Geldquellen in Russland aufzutun, endgültig die politische Schmerzgrenze erreicht.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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