Kommentar von Clemens Fütterer
Ausländer-Hass: Auch ein Erbe der sozialistischen Diktatur

Gerade der Osten Deutschlands müsste die Zuwanderung begrüßen. Die ehemalige DDR - mit Ausnahme weniger Ballungsräume wie Berlin, Leipzig oder Dresden - ist entvölkert und wird zunehmend zum Seniorenheim. Junge Leute fehlen, auch weil die Qualifizierten in den Wende-Jahren zu Hunderttausenden ihr wirtschaftliches Lebensglück im Westen Deutschlands suchten.

Ausländer-Feindlichkeit war unter dem Honecker-Regime zwar offiziell tabu, aber latent gegenwärtig. Die als Arbeitskräfte ins Land geholten Vietnamesen und Mosambikaner wurden nicht nur als "Fidschis" und "Mozis" geschmäht: Ihnen war selbst der Besuch von Gaststätten verboten (der Judenstern lässt grüßen); sie durften ihre Gemeinde nicht ohne Erlaubnis verlassen. Für die Frauen bestand ein Gebot zur Abtreibung.

Dieses Erbe der sozialistischen Diktatur schlägt jetzt bei einer lautstarken Minderheit durch, welche die (schweigende) Mehrheit der Anständigen übertönt. Jetzt marschieren sie wieder ... "Volksverräter" und "Wir sind das Pack" schallte es Bundeskanzlerin Angela Merkel in Heidenau entgegen. Und mit dem Ausdruck "Dunkeldeutschland" meinte Bundespräsident Joachim Gauck bestimmt nicht die Welle der Hilfsbereitschaft im Westen Deutschlands.

Man kann der Politik vorwerfen, dass sie die Massen-Zuwanderung überhaupt nicht auf dem Bildschirm hatte, bisher zu spät und zu zögerlich reagierte. Es bedarf mutiger Entscheider, endlich klare Kante gegen Rechtsradikale zu zeigen. Bei den tagelangen gewalttätigen Krawallen in Heidenau kam es nur vereinzelt zu Verhaftungen. Rechtsstaatliche Konsequenz sieht anders aus. Jede Straftat muss auch strafrechtlich verfolgt und geahndet werden.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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