Kommentar von Clemens Fütterer
Bei Rente mit 63 grob verrechnet: Dem Staat nichts schenken

Erfurter Weihnachtsmarkt. Karikatur: Tomicek
Gründlich verschätzt haben sich die Experten mit ihren Kalkulationen für die vorgezogene Rente mit 63. Dieses Privileg für die Jahrgänge 1950 bis 1963 - nach mindestens 45 Versicherungsjahren - wird sage und schreibe zu einer Verdoppelung der Aufwendungen aus der Rentenkasse führen.

Die Annahme, dass nur eine Minderheit der Bezugsberechtigten dieses Geschenk in Anspruch nimmt, war naiv. Abschlagsfrei ein paar Jahre früher in Rente zu gehen: Darauf zu verzichten, hieße, sich eine soziale Leistung vorzuenthalten und dem Staat etwas zu schenken. Dieses Lebensgefühl der betroffenen Arbeitnehmer wurde massiv unterschätzt.

Annähernd eine halbe Million langjähriger Beitragszahler wird wohl die Option ausschöpfen, endlich selber über die Zeit zu verfügen, sich den Enkeln oder privaten Passionen zu widmen. Die Mehrheit dieser Frührentner hat bestimmt das Geld dafür. Ohne Eigenschaften wie Fleiß, Verlässlichkeit und hohe berufliche Qualifikation würden sie es jedenfalls nicht auf 45 Versicherungsjahre bringen.

Die Verrentung mit 63 treibt die Arbeitskosten in die Höhe, verschärft den Fachkräftemangel und kommt zur demografischen Unzeit. Auch so lässt sich eine Art Vollbeschäftigung in Deutschland herstellen.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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