Kommentar von Clemens Fütterer
Belehrungen undiplomatisch

Öffentlich mit klaren Worten die Dinge zu benennen, ist mutig. Den Zeigefinger zu erheben und Belehrungen zu erteilen, das empfinden nicht nur die Adressaten solcher Kritik als undiplomatisch. Ob beim Sommerempfang der IHK der tschechische Generalkonsul die Ratschläge des Außenhandelskammer-Experten dankbar aufgenommen hat?

Oder sollte dieser Interessensvertreter der deutschen Wirtschaft nicht lieber vor der eigenen Haustüre kehren? Denn die mangelnde Digitalisierung gereicht inzwischen auch vielen Unternehmen in Bayern zum Standortnachteil, Entwicklungsländer sind hier online weiter. Die Folgen der unausgegorenen Energiewende in Deutschland bringen das tschechische Stromnetz an die Grenze der Belastbarkeit; die Bildungspolitik diesseits wird den hehren Worten für den "Rohstoff Geist" nicht im Ansatz gerecht. Eine Streikwelle, wie sie seit Monaten Deutschland überrollt, ist im östlichen Nachbarland undenkbar.

Das anhaltend hohe unternehmerische Engagement hüben und drüben sowie den schwunghaften bayerisch-böhmischen Handel gäbe es nicht, wenn die Rahmenbedingungen nicht einigermaßen stimmig wären. Die tschechische Wirtschaft wächst innerhalb der EU am stärksten. Öffentlicher Tadel von außen, ausgerechnet vom Repräsentanten der deutschen Wirtschaft in Prag, ist fehl am Platz.
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