Kommentar von Clemens Fütterer
Das Menschenrecht auf Streik und die Verantwortung

Streithilfe. Karikatur: Tomicek
Solche Zustände belächelten die Deutschen bisher nur in Italien, wo oft die Eisenbahner streikten und das Land lähmten. Das Lachen ist vergangen. Aus Einzelinteressen heraus geführte Streiks von Lokführern und Lufthansa-Piloten vergällen derzeit den Deutschen nachhaltig den (Berufs-)Alltag, ihre diversen Reise- und Terminplanungen; ach ja, nicht zu vergessen der Ausstand von Erzieherinnen in öffentlichen Kindertagsstätten und der Briefträger.

Der Arbeitskampf der finanziell sowieso in Samt und Seide gebetteten Flugzeugführer-Elite beschert der Lufthansa ein internationales Image-Desaster, und die GDL nervt mit ideologischer Prinzipienreiterei seit elf Monaten mit dem inzwischen neunten Streik eine ganze Nation. Bei allem Respekt vor dem geänderten Berufsbild: Die Kita-Erzieherinnen pochen auf eine Gehaltserhöhung von bis zu 13 Prozent. Dies erinnert an den ehemaligen ÖTV-Boss Heinz Kluncker, der in den 70er Jahren flotte 11 Prozent für seine Müllwerker forderte.

In Deutschland wird - statistisch gesehen - nicht mehr gestreikt als früher. Die Arbeitsverweigerung kleiner Spartengewerkschaften erzielt jedoch eine Breitenwirkung mit der größtmöglichen Betroffenheit der Bürger. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit muss erlaubt sein, ganz zu schweigen von der volkswirtschaftlichen Verantwortung. Das Recht auf Streik ist ein - verantwortungsvolles - Menschenrecht.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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