Kommentar von Clemens Fütterer
Demografie: Chancen wiegen die Probleme auf

Die Veränderung setzt schleichend ein: Vereine lösen sich auf oder fusionieren, Schulen dünnen aus, kleinere Orte stehen ohne Nahversorgung da, die Infrastruktur bröckelt. Der Demografie kommt auf dem Land niemand aus. Bevölkerungsschwund und Überalterung treffen den Norden der Oberpfalz stärker als den Süden. Nur in der Statistik steht die Oberpfalz bis 2030 relativ stabil da. Tatsächlich klafft sie entzwei: Während Regensburg um fast 9 Prozent zulegt, muss der Landkreis Tirschenreuth ein Minus von 16 Prozent verkraften; nur wenig besser sieht die Prognose für Neustadt/WN (minus 10,2 Prozent) und Amberg-Sulzbach (minus 8 Prozent) aus.

Oberfranken trifft es noch härter. Seit Mitte der 80er Jahre verlor beispielsweise der Raum Selb ein Viertel der Einwohner. Die Demografie ist Fakt und für Generationen unumkehrbar. Die Folgen sind aber nicht schicksalshaft bestimmt - nach dem plakativen Motto "Der Mensch geht, der Wolf kommt": mit Entvölkerung ganzer Landstriche, Vergreisung und Pflegebedürftigkeit ohne Pflege. Hier apokalyptische Ängste zu schüren, hilft nicht weiter, sondern blockiert. Immer mehr Kommunen und Wirtschaftsräume begreifen die Demografie als Herausforderung: Ohne ehrenamtliches Engagement ist das Gemeinwesen nicht machbar.

Was spricht gegen Verbünde von Ärzten-Pflege-Telemedizin oder gegen neue Modelle der Nahversorgung? Die interkommunale Zusammenarbeit birgt noch enorme (Kosten-)Potenziale. Viele vitale Senioren bringen sich gerne in die Gesellschaft ein. Wie sieht die Alternative zu verstärkter Migration aus? Neue Optionen machen Mut und wecken Zuversicht.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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