Kommentar von Clemens Fütterer
Enorme Integrationsleistung der Vergangenheit weckt Zuversicht

Nicht nur die Älteren erinnern sich noch: In den Jahren nach der Wende - vor rund einem Vierteljahrhundert - war der Westen Deutschlands schon einmal einem enormen Zuwanderungsdruck ausgesetzt. Allein 1989 strömten fast 850 000 Menschen in unser Land: vor allem Übersiedler aus der DDR und Aussiedler aus Osteuropa - und mehr als 120 000 Asylbewerber aus vielen Ländern. In den Erstaufnahme-Lagern ging es drunter und drüber, der Arbeitsmarkt ächzte und es fehlten Zigtausende Wohnungen. Auch damals war die "Willkommenskultur" - gelinde gesagt - nicht sehr ausgeprägt. Häme und böse Witze ergossen sich über Ostdeutsche und Spätaussiedler.

Heute spricht kaum noch jemand von diesen Millionen-Zuzügen und der großartigen Integrationsleistung in Gesellschaft sowie Arbeitsmarkt. Vor 25 Jahren musste bei der beruflichen Qualifikation nachgebessert werden und bei Hunderttausenden haperte es an Sprachkompetenz. Ohne die riesigen Probleme des Jahres 2015 - mit einer Sprach- und Kultur-Barriere neuer Dimension - kleinreden zu wollen: Zuversicht statt instrumentalisierter Empörung wäre für den gesellschaftlichen Frieden hilfreich.

Es war blauäugig, davon auszugehen, dass die freien Facharbeiter-Stellen eins zu eins mit blendend qualifizierten Flüchtlingen aufgefüllt werden. Die Wirtschaft hat brennendes Interesse daran, die Migranten so schnell wie möglich fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Wenn dies gelingt, stellen die Zuwanderer langfristig keine Belastung für die Sozialsysteme dar, sondern eine Bereicherung.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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