Kommentar von Clemens Fütterer
Fanal gegen Entsendung von Bodentruppen in Syrien

Der Abschuss eines Kampfflugzeugs war eine Frage der Zeit. Die russische Luftwaffe operiert in Syrien dicht an der türkischen Grenze, angeblich gegen den IS. Auf mehrere Verletzungen ihres Luftraums reagierte die Türkei in den vergangenen Wochen mit unmissverständlichen Warnungen. Tatsache ist der Flug des nun abgeschossenen Bombers im unmittelbaren Grenzgebiet. Heftig gestritten wird, ob sich der Zwischenfall über syrischem oder türkischem Gebiet ereignete: Was nichts an der Steilvorlage zum internationalen Konflikt ändert.

Es sind inzwischen 18 Nationen, die mit ihrer Luftwaffe in Syrien Angriffe gegen den IS, das Assad-Regime oder "Rebellen" fliegen. Das Eingreifen von Assads Schutzmacht Russland macht diesen Bürgerkrieg noch komplexer, eine Konfrontation mit der Nato und den ihr verbündeten Nationen liegt in der Luft. Denn die Abstimmung der Luftschläge und die Kommunikation sind bei der Vielzahl der beteiligten Länder diffizil genug: Die russische Intervention - für den Diktator - verschärft die Lage weiter. Putin schuf auch Fakten, als er weitreichende Boden-Luft-Raketen in Syrien stationieren ließ. Da weder die "Rebellen" noch der IS über eine Luftwaffe verfügen, liegt die Frage auf der Hand, gegen wen sich diese Waffen richten. Einer von Russland diktierten "Flugverbotszone" in einem Teil Syriens hätte die Nato nichts entgegenzusetzen.

Ist es wirklich hilfreich, in dieses unübersichtliche Gemenge hinein - mit seinen regionalen und internationalen Interessens-Gegensätzen - westliche Bodentruppen zu entsenden? Die Europäer laufen Gefahr, in Syrien die katastrophalen Fehler der Amerikaner in Afghanistan und im Irak zu wiederholen. Der Abschuss des Kampfflugzeugs ist eine Warnung.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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