Kommentar von Clemens Fütterer
Flüchtlinge: Solidarität beginnt vor Ort in den Kommunen

Die "äußerst angespannte Situation" bei der Unterbringung der Flüchtlinge veranlasst die Regierung der Oberpfalz zu einem außergewöhnlichen Schritt: die Solidarität aller Gemeinden einzufordern. Bei 95 der 226 Oberpfälzer Kommunen scheint die blanke Not noch nicht so richtig angekommen zu sein. Sie haben noch keine geeigneten Objekte für die Asylbewerber angeboten.

Zurecht fordern wir eine gerechte Verteilung der Flüchtlingswelle in Europa. Zurecht kritisieren wir das Versagen anderer europäischer Länder, die sich aus der Verantwortung stehlen und sich der gigantischen Wanderungsbewegung verweigern. Auch innerhalb Deutschlands besteht bei der Solidarität der Bundesländer Nachbesserungsbedarf. Deshalb bekommt die Haltung von zahlreichen Oberpfälzer Kommunen eine besondere Bedeutung: Es wirkt wenig glaubwürdig, in Europa und Deutschland das große Rad einer - abstrakten - Solidarität zu drehen und sich gleichzeitig vor der eigenen Haustüre bei der konkreten Herausforderung wegzuducken. Wir brauchen die - tätige - Solidarität aller Kommunen. Damit soll die enorme Hilfsbereitschaft der vergangenen Monate keineswegs kleingeredet werden. Der Brief des Regierungspräsidenten ist ein dramatischer Appell, für - menschenwürdige - Unterkünfte der Flüchtlinge in allen Oberpfälzer Gemeinden zu sorgen. Wir sind gespannt auf die Angebote geeigneter Objekte und die Gründe für eine weitere Enthaltung.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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