Kommentar von Clemens Fütterer
Griechenland: Reparieren statt Reparationen zu fordern

Varoufakis on Tour. Karikatur: Tomicek
Geschichte wiederholt sich offenbar. Bereits im Jahr 2000 nahm die griechische Regierung die Pfändung deutscher Einrichtungen in Athen ins Visier. Zur Beschlagnahme von Goethe-Institut & Co. kam es jedoch nicht, weil Deutschland schließlich doch dem griechischen Euro-Beitritt zugestimmt hat.

Auch heute stellt Athen seine Forderung nach Reparationszahlungen ungeniert in den Zusammenhang mit "weitreichenderen nationalen Fragen" - was wohl heißt: Wenn sich Deutschland als Hauptgläubiger der EU-Rettungspakete nicht weiter gegen einen Schuldenschnitt zugunsten Griechenlands sperrt, dann ist auch die Reparations-Drohkulisse vom Tisch. In der griechischen Öffentlichkeit kursiert die nicht unbescheidene Gesamtsumme von 332 Milliarden Euro, die den Agrarstaat auf den Schlag all seiner finanziellen Sorgen entledigen würde.

Ohne die deutsche Schuld und die furchtbaren Kriegsverbrechen in Abrede stellen zu wollen: Griechenland war im Zweiten Weltkrieg auch von Bulgarien und bis 1943 von Italien besetzt. Aber diese Länder hängen selber am Tropf, von ihnen ist kein Geld zu holen.

Die durchsichtigen Forderungen der Tsipras-Regierung an Deutschland stehen im Widerspruch zu den einschlägigen Urteilen internationaler Gerichte oder sind zumindest völkerrechtlich umstritten. Tsipras sollte schleunigst seinen völlig ineffizienten Staatsapparat reparieren, statt mit unrealistischen Reparations-Ansprüchen (70 Jahre nach Kriegsende!) das Klima zwischen beiden Nationen zu vergiften.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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