Kommentar von Clemens Fütterer
Im eigenen Land den Radikalen entschlossen Antwort geben

Auch wenn die Terroranschläge in Paris "von Syrien aus organisiert, erdacht und geplant" wurden, handelte es sich bei den Ausführenden nach bisherigen Erkenntnissen im Wesentlichen um französische und belgische Staatsbürger. So bitter es klingt: Die Akteure der Attacken waren den Geheimdiensten meist bekannt - als radikalisierte Moslems im eigenen Land.

Nach Informationen der Zeitung "Le Figaro" beläuft sich die Zahl der potenziellen "Gefährder" in Frankreich auf mehr als 11 000 Personen. Diese hasserfüllten, fanatischen jungen Männer entstammen fast ausnahmslos den berüchtigten Vorstädten der Metropolen. Hier bildeten sich Parallelgesellschaften. Die Ghettoisierung ist abschreckendes Beispiel für das Scheitern jeglicher Integration - und für den Islamischen Staat (IS) der Nährboden für eine perfide Rekrutierung von Tausenden Dschihadisten. Sie strömen ebenfalls aus Belgien nach Syrien (und zurück): In Relation zur Einwohnerzahl pilgern aus keinem EU-Land so viele Kämpfer nach Nahost. Geheimdienste und Polizei sind offenbar durch die hohe Zahl der Radikalen überfordert.

So nachvollziehbar die Reaktion Frankreichs mit Bombenangriffen auf den IS ist: Die Versuche des Westens, den Terrorismus in Afghanistan oder im Irak mit Bodentruppen, Luftschlägen und Drohnen an der Wurzel zu packen, scheiterten nicht nur kläglich, sie machten die Welt noch unsicherer und instabiler. Zu einer wehrhaften Demokratie gehört es, zuvorderst im eigenen Land mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft (bei doppelter Staatsangehörigkeit) oder der Ausweisung mit anschließendem Einreiseverbot den Radikalen und Hasspredigern sofort entschlossen Antwort zu geben. Nicht nur in Frankreich und Belgien.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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