Kommentar von Clemens Fütterer
Kassenpatienten verzweifelt: Nordoberpfalz fachärztlich in Not

Griechische Ruinen. Karikatur: Tomicek
Hilflos bis erbärmlich wirken die Versuche der Politik und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, mehr Fachärzte für die ländlichen Regionen zu gewinnen. Der Verzweiflung nahe sind auch die Kassenpatienten. Viele Monate lang müssen die gesetzlich Versicherten auf Wartelisten ausharren, wenn sie um einen Termin ersuchen, etwa bei einem Hautarzt, Radiologen oder Rheumatologen.

In der nördlichen Oberpfalz ist die Lage prekär. So konnten vor wenigen Jahren im Raum Weiden die Kassenpatienten unter fünf Hautärzten wählen, heute nehmen sich ihrer lediglich zwei an. Dieser Notstand führt bereits heute zu paradoxen Situationen, die an Dritte-Welt-Länder erinnern. Im Gegenzug für einen sofortigen Werkstatt- oder Frisör-Termin wird der/die Hautarzt/-ärztin regelrecht angefleht, sich doch den Schwiegervater, die Tochter oder die Arbeitskollegin "alsbald anzuschauen". Hier beruht der Facharztmangel nicht auf Landflucht, sondern auf Abkehr von der bürokratischen Schurigelei durch die Krankenkassen. Diese Mediziner widmen sich deshalb den Privatpatienten - ohne das Damokles-Schwert von Regressen bei Überschreiten von Praxis-Regelvolumen oder Arzneimittel-Budget.

Die wenig demokratische Struktur der Kassenärztlichen Vereinigung spielt in dieser Misere wohl auch eine Rolle. Gleich nach der Machtergreifung 1933 hatten die Nazis sie gleichgeschaltet. An der bemerkenswerten Machtfülle der Vereinigung hat sich bis heute kaum etwas geändert. Hier besteht ein dringender Reformbedarf. In eigener Sache.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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