Kommentar von Clemens Fütterer
Kosten des Abgas-Betrugs für VW unkalkulierbar

Wie ein Wetterleuchten mutet der Quartalsverlust von 3,5 Milliarden Euro des VW-Konzerns an. Dahinter türmen sich die wirklich risikoreichen Wolkenberge auf: die Kosten für Schadenersatz-Forderungen, Strafzahlungen, Rückrufe, Sammelklagen, Umrüstungen, teure Anwälte. Die Schätzungen reichen von 22 bis knapp 80 Milliarden Euro, die auf VW als finanzielle Konsequenz aus den manipulierten Abgaswerten zurollen. Vom verheerenden Imageverlust ganz zu schweigen.

Der VW-Konzern verfügt über Barreserven von mehr als 15 Milliarden Euro: Eine Summe, die den Börsenwert mancher Dax-Werte übertrifft. Werden die Rücklagen reichen? Oder muss VW sein Tafelsilber verkaufen, um alle Forderungen bedienen zu können? Dann müsste sich der Autohersteller von seinen Nobelmarken wie Bentley und Bugatti trennen. VW ist nicht irgendein Unternehmen, sondern ein Weltkonzern mit fast 120 Fertigungsstandorten. 270 000 Beschäftigte arbeiten in Deutschland; die Zulieferer zählen Hunderttausende Mitarbeiter. Niedersachsen besitzt 20 Prozent der Aktien. Das finanziell schwächelnde Bundesland wäre bei einer Kapitalerhöhung gefordert. Ob es diese Belastung stemmt? Die Zukunft birgt für die Beteiligten unkalkulierbare Unbekannte ...

Es ist grotesk, dass sich die Amerikaner zum Hauptankläger gegen VW aufschwingen und sich plötzlich um ihre Umwelt sorgen. Mit den Chinesen sind die USA die größten Umweltverschmutzer und Energieverschwender der Erde. Im Vergleich zur staatlich geförderten Luftverpestung und Bodenverseuchung in Nordamerika gleicht der Abgas-Skandal einer Marginalie - was die Straftat von VW keineswegs rechtfertigt.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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