Kommentar von Clemens Fütterer
Milchpreis: Der Ruf nach dem Staat hilft letztlich nicht weiter

Um etwa 30 Prozent stürzte der Milchpreis seit November 2013 ab. Die Landwirte erfahren aktuell die Schattenseiten der Marktwirtschaft: Es gibt global ein Überangebot von Milch. Milchbauern protestieren in Litauen und Neuseeland, in Spanien und in den USA. Nahezu 50 Prozent der deutschen Milch gehen in den Export, China entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Abnehmer. Dort schwächelt die Konjunktur, außerdem treffen empfindlich die russischen Importverbote, und die mächtigen Discounter spielen in Deutschland ungeniert ihre Marktmacht aus.

Vor diesem Hintergrund sei an die Milchquote erinnert. Sie schrieb über drei Jahrzehnte hinweg in der EU den Erzeugern genau vor, wer welche Menge produzieren darf. Diese Quote sollte helfen, die Schwankungen beim Milchpreis abzupuffern. Gerade mit Blick auf den Export und die internationalen Wettbewerber wurde der Wegfall der Quote betrieben: Die Landwirte können seitdem so viel Milch erzeugen, wie sie möchten. Und verdienten jahrelang - auch das darf mal bei aller Sympathie für die Bauern gesagt werden - nicht schlecht. Jetzt läuft es anders rum und der Ruf nach staatlicher Unterstützung ertönt.

Der Milchpreis wird unter dem Gesetz von Angebot und Nachfrage immer Ausschlägen unterliegen. Auch können die Landwirte nicht unter jenen Idealvorstellungen die Milch frisch vom Hof liefern, wie die Verbraucher sie idyllisch verklären - jedenfalls nicht zu 60 Cent für den Liter. Der Käufer entscheidet an der Kasse mit, ob er seine Milch über familiäre, ökologische Kleinbetriebe oder aus industrialisierter Intensiv-Landwirtschaft bezieht.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5736)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.